Wie kamst du auf die Idee deiner Geschichte und zu deinen Charakteren?

Das ist schon so lange her. Der Schwan war nämlich tatsächlich eine meiner ersten Geschichten. Damals – ich glaube, ich war 15 – habe ich mir eine Liebesgeschichte nach der anderen ausgedacht, deren Charaktere und Settings ich bis heute liebe. So ziemlich jede dieser Geschichten spielen in einem anderen Land, zu einer anderen Zeit. 

Bei dieser Geschichte kam Charlotte zuerst zu mir. Ich wollte eine Figur, die auf den ersten Blick nicht beeindruckt. Die anders als die Damen der Gesellschaft war. Dann fiel mir ihr Gegenpart Sebastian ein, der diese Schönheit erst erkennen musste – und um dem ganzen einen drauf zu setzen: Als Casanova überhaupt nicht zu ihr passte. Auf den ersten Blick. Aus den Nebenfiguren – alle im Buch bestanden von Anfang an – Valantine und Etien wurden dann mit den Jahren die Protagonisten. Ihre Leidenschaft und Streitlust hatten es mir irgendwie besonders angetan und das Ganze hatte sich verselbständigt. So wurde aus dem Schwan nicht nur eine Geschichte über wahre Schönheit, sondern noch viel mehr: Über den Sinn der Liebe.

 

Magst du einen der Charaktere besonders gern? Warum? 

Ich liebe wirklich alle Protagonisten, weil sie so unterschiedlich und vielseitig sind. Charlotte für ihr zurückhaltendes Temperament und ihre Bücherliebe. Sebastian für seinen Witz und die Angewohnheit, jede Situation in Ordnung bringen zu wollen. Etien für seine Bosheit, Ehrlichkeit und Logik, die ihm am Ende alle zum Verhängnis werden. Und Valantine für ihre Abenteuerlust und ihr Pflichtbewusstsein, das sie so vollkommen von mir unterscheidet. Und und und…

Aber auch bestimmte Nebencharaktere habe ich sehr gern: Etiens Butler Winston, der lieber seiner Gartenarbeit nachgeht als die Tür zu öffnen. Den Butler der Foulards (Sebastians Familie), der über jedes unangemessene Verhalten die Nase rümpft. Überhaupt mag ich Butler in Geschichten einfach besonders gern! Briand, Etiens Bruder, der sehr unkompliziert, ernst und wortkarg ist. Evangeline, die traurige Schönheit. Barneby, der liebenswürdige Diplomat. Und natürlich: Den neugierigen Kater Louis, der sich gerne mal in eine Gefahr begibt. 

 

Sollen sie eine spezielle Botschaft vermitteln? 

Im Grunde dreht sich ja das ganze Buch um diese Botschaft: Was ist Liebe? Die unterschiedlichen Facetten werden von den unterschiedlichen Charakteren beleuchtet. Etien sieht die Liebe nur mit Verstand, bis er ihr begegnet. Valantine ist der Inbegriff des überbordenden Gefühls und verwechselt auch mal Zuneigung mit Liebe. Charlotte interessiert sich wenig für die Liebe, aber sieht ihre Unbarmherzigkeit. Sebastian hält alles nur für ein Vergnügen, bis ihn der Ernst des Lebens trifft. Dahinter steht auch die Frage: Was ist der Sinn des Lebens? Diese beiden Fragen sind für mich eng verknüpft. Dabei geht es natürlich nicht nur um die sexuelle Liebe, sondern auch um die Liebe zu den Eltern, zu Freunden, zu Tieren, zur Natur. Das, was eben auch eine Geschichte ausmacht, und den Leser zu den Charakteren zieht. Das, was uns alle ausmacht, und wir doch oft vergessen. 

Ich möchte eigentlich weniger definieren und mehr die Wichtigkeit dessen hervorheben. Daher soll jeder seine eigene Definition finden – und vielleicht diesem wahrhaftigen Gefühl mehr Raum in diesem Leben geben. 

 

Wieso hast du dich für das Setting der Französischen Revolution entschieden? 

Das ist Charlottes Schuld. Ursprünglich entstand sie als Nebenfigur aus meinem ersten historischen Liebesroman, den ich heute niemandem mehr vorsetzen würde. Aber sie hat ihn überlebt. Der Roman spielte in England (weshalb sie Engländerin ist), und drehte sich um ein Geheimnis, das mit einem Halbbruder aus Frankreich zu tun hatte. Als ich dann den Roman um Charlottes Geschichte herum erfand, war klar, dass dieser den Hintergrund erzählen sollte, wie Charlotte nach Frankreich reist, um den Halbbruder zu finden. So kam es also zu Frankreich. Den Bruder habe ich dann durch eine andere Hintergrundgeschichte ersetzt, die passender für ihren Charakter und diesen Roman schien.

Als sich die Figuren dann mehr und mehr verselbständigten, brauchte ich einen genauen Zeitpunkt (18. Jahrhundert war bereits klar, weil das meine Lieblingszeit ist), und da bot sich die Französische Revolution natürlich total an! Da ich aber den inneren Konflikt der Figuren die Handlung bestimmen lassen wollte, wollte ich keinen so extremen äußeren Konflikt haben. Also habe ich mich eben für die Zeit kurz vor dem Ausbruch der Revolution entschieden, was am Ende auch wunderbar zu dem Twist der Geschichte passte.

Manchmal ist das so beim Schreiben: Manches weiß man von Anfang an genau. Anderes entwickelt sich wie ein Baukastensystem – wie man hier sieht.

 

Welches Setting wird es in den Folgebänden der Trilogie geben?

Darüber kann ich noch nicht zu viel verraten, da es viel mit dem Ende der Geschichte zu tun hat. So viel kann ich verraten: Es wird verschiedene Settings geben. Und ich bin gerade eifrig an der Recherche dran.